Wie denkt/fühlt es sich gemustert?

Das Muster ist ein, aus unterschiedlichen Einzelteilen bestehendes Ganzes. Das Einzelne bildet die Grundlage für das Ganze und löst sich nicht in ihm auf. Das Muster funktioniert über die Wiederholung und ist reproduzierbar. Methoden wie Zusammensetzen, Verschieben, Übereinanderlegen und Gruppieren sind hier wichtig. Das Muster steht im besonderen Verhältnis zu der Oberfläche, die es trägt. Wir glauben, dass die Bearbeitung von Oberflächen mit den Methoden der Muster politisch ist. Wir glauben, dass Oberflächen Trägerinnen sein sollten, dass auf ihnen verhandelt, angesprochen und aufgefordert werden kann. Die Muster sind dabei Oberflächenuntersuchungen und dringen in diese und in das Bewusstsein vor. Fragen nach Form und Fläche, zeitlicher Anordnung, Vordergrund und Hintergrund, die sich ineinander auflösen können, sind Teil unserer Arbeit. Das Muster ist die Veranschaulichung gesellschaftlicher Prozesse. Die verschiedenen Einzelteile formen sich zu einer Struktur, in welcher jede Form ihre benachbarten Teile und damit das Ganze beeinflusst.
Das Muster ist eine Organisationsform, wie auch das Kollektiv. Auch hier bildet die Einzelne die Grundlage für die gesamte Struktur. Darum wollen wir die Überschneidungen in unserer individuellen, künstlerischen Arbeit, durch die gemeinsame Beschäftigung mit Phänomen und Methoden der Muster zu einem größeren Projekt machen. Die Erforschung und Anwendung von Mustern ist auch eine Erforschung und Anwendung von Prozessen des kollektiven Arbeitens.

Patterned Collective arbeitet in unterschiedlichen Formaten zusammen: Auch hier ist das Muster Metapher für kollektives und solidarisches Arbeiten. Das Individuum geht nie völlig im Kollektiv auf. Wir kooperieren mit anderen Strukturen. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Die Bedingungen (den Untergrund) unseres Arbeitens wollen wir genauso sichtbar machen, wie seine repräsentativen Formen.

Anne Reiter, Irène Melix, Lilli Döscher, Theresa Schnell